Montag, 22. Februar 2016

„Remember“ von Izabelle Jardin...

… gehört zu jenen eBooks, vor denen ich von Anfang an einen starken Respekt hatte. Der Grund ist, dass dieses E-Book zu einer Zeit spielt, die so von Emotionen und Atmosphäre aufgewirbelt wird, dass die eigentliche Handlung fast in der Geschichte unterzugehen scheint. Der Grund für diese atmosphärische und emotionale Dichte liegt darin verborgen, dass sich um solche Tage selbst große Emotionen entwickelt haben. Bei „Remember“ ist dieses emotionale Ereignis der 11. September 2001. Noch emotionaler wird das Buch dadurch, dass es zum Teil in den USA beginnt. Mich persönlich nehmen solche Bücher immer sehr für sich ein, sofern sie gut geschrieben sind, und tatsächlich eine gewisse Emotionalität transportieren, die weit über die Handlung hinaus zu gehen scheint. Ein solches Buch ist auch „Remember“ aus der Feder von Izabelle Jardin. Da ich jedoch mit dem ersten Buch, welches ich von dieser Autorin gelesen habe, gute Erfahrungen sammeln durfte, wollte ich auch diesem hier eine Chance geben.


Doch worum geht es hier eigentlich?

Diese Frage möchte ich euch zunächst beantworten, indem ich euch den Klappentext präsentiere, denn an diesem seht ihr, dass der eigentliche Roman nichts mit dem Attentat, das am 11. September stattgefunden hat zu tun hat, aber irgendwie doch von ihm beeinflusst wurde.
„»Es gab keinen Tag in meinem Leben, an dem Glück und Unglück, Himmel und Hölle, Ende und Anfang jemals dichter beieinander gelegen haben!«
Leah hat eine sehr genaue Vorstellung vom richtigen Mann. Sie will etwas Besonderes! Als Connor Breckwohld, der Juniorchef einer großen Hamburger Reederei, in ihren Laden tritt, ist es um sie geschehen. Ein Blick, ein Date, ein erster Kuss. Und eine Erkenntnis: Er steht kurz vor der Hochzeit mit einer anderen. Leah nimmt Reißaus. Und kann ihn nicht vergessen! Gegen alle Widrigkeiten, gegen ein jahrzehntelang wohlgehütetes Familiengeheimnis, das eine Verbindung zwischen den beiden unmöglich erscheinen lässt, geht Leah den Weg, den das Herz ihr weist. Bis zu jenem Tag. Als sich alles ändert. Und über diesen Tag hinaus!
Eingebettet in die schicksalhafte Geschichte zweier Familien, erzählt Izabelle Jardin den Roman einer großen Liebe: sinnlich, romantisch und voller dramatischer Wendungen bis zum Schluss."
Der 11. September ist für viele Menschen weltweit zum Schicksalstag geworden, in den USA haben viele ihr Leben an diesem Tag gelassen in den Zwillingstürmen des World Trade Center und eigentlich würde ich dieses Buch aus dem Grund nicht unbedingt als ein einfaches Buch bezeichnen, denn es ist emotional aufgeladen, emotionalisiert bis in die Fingerspitzen und dabei atmosphärisch dicht, denn die Protagonistin in diesem Buch erlebt diesen Tag als einen Tag, der ihr Schicksal und ihr ganzes Leben zu verändern droht. Denn ihr geliebter Partner befindet sich zum Zeitpunkt der Attentate in den USA und scheint zunächst wie vom Erdboden verschluckt. Leah selbst ist schwanger, kann sich also nicht selber auf die Suche machen und bittet stattdessen um Hilfe, die auch tatsächlich aus ihrem Bekannten und Freundeskreis, aber auch von ihrer Familie kommt. Nun im Rückblick erzählt Leah ihre Geschichte, nicht chronologisch, aber doch irgendwie, wenn sie sortiert die Ereignisse, beginnend mit dem 11. September nur um von dort zurück zu gehen ins Jahr 2000, in eine Zeit in der alles noch so perfekt schien, aber doch nichts perfekt war.
Sie beginnt die Ereignisse aufzurollen, bis zu jenen Ereignissen, die dem Prolog bildeten, jenen Ereignissen vom 11. September. Ihre Erlebnisse gehen jedoch weit über den 11. September hinaus, genau genommen bis Mitte Oktober 2001.

Ein emotionaler, aber aufgeräumter Erzählstil

Izabelle Jardin überzeugt in diesem Buch mit einem emotionalen aber durchaus aufgeräumten Erzählstil. Sie erzählt die Geschichte aus Sicht ihrer Protagonistin. Gleichzeitig jedoch in der dritten Person. Es ist keine Innenansicht, die wir erleben, obwohl die Protagonistin sie erzählt. Vielmehr erzählt die Protagonistin anhand von Tagebuchausschnitten und den Rückblicken ihre Geschichte. Sie erzählt sie so als wäre sie selbst eine außenstehende und doch kommen die Emotionen immer deutlicher zum Vorschein. Es ist kein Buch, das traurig macht, obwohl Traurigkeit, Wut, Angst, Hoffnung und Erlösung auch eine wichtige Rolle spielen. Es ist auch kein Buch das mit Fröhlichkeit zu überzeugen weiß. Vielmehr glänzt es durch die Mischung, durch das Wechselbad der Gefühle, in welche die Protagonistin stürzt und in die die Autoren auch ihren Leser stürzen lässt. Der der chronologisch- unchronologische Aufbau sorgt dabei für ein spannendes Momentum, denn wer mit dem ersten Kapitel begonnen hat weiß am Ende nicht, ob der Partner der Protagonistin von den Ereignissen betroffen war oder nicht, da das Telefonat, welches im Rahmen des Prolog geführt wird kurze Zeit vorher stattfand. Somit hält sich der Spannungsmoment im Verlauf des Buches, wird zum Spannungsbogen, der praktisch das gesamte Buch umfasst. Spannend ja, vielleicht, emotional, auf jeden Fall.

Chronologisch – unchronologisch: spinnt sie nun völlig?

Wer sich diese Frage nun stellt hat möglicherweise recht, denn ganz logisch erscheint mir dieser Aufbau nach dem ich das Buch gelesen habe, nicht jedoch im Sinne dieser Rezension. Gemeint ist mit dem chronologisch-und chronologischen Aufbau, dass ein Teil des 11. September 2001 als Prolog funktioniert und dem eigentlich chronologischen Aufbau vorangestellt wird. Er hebt die Chronologie in gewisser Weise auf, nur um sie dann im ersten Kapitel wieder aufzunehmen die Chronologie, die das Leben zu dem macht, Leahs Leben zu jener Zeit ausmacht.

Der Versuch eines Fazits

Es fällt mir schwer, ein Fazit zu dieser Rezension zu ziehen, da mich diese doch recht turbulente Geschichte ein wenig unsicher, fassungslos und ja, möglicherweise auch ein wenig verwirrt zurücklässt. Soll ich es euch empfehlen? Wollt ihr ein Buch lesen, dass ein Wochenende braucht um sagen zu können, bei dem erst nach einigen Tagen sagen könnt, es hat mich wieder losgelassen? Wer auf der Suche nach einem einfachen Buch zur Zerstreuung ist, der wird an diesem Buch nicht unbedingt seine Freude haben, denn es wird auf, es zieht ihnen in seinen Bann und hinterlässt einen fassungslos und aufgewühlt, ohne dabei etwas wirklich Schlimmes angestellt zu haben. Es ist ein Buch, das mit erzählerischer Raffinesse überzeugt, ebenso wie mit sprachlichen Geschick und einer dichten Atmosphäre. Jeder der mit einem solch emotionalen Buch zurecht kommt, sich drauf einlassen möchte, wird an diesem Buch seine Freude haben, denn jene Leser wird es rufen und sagen „Lies mich!“

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