Donnerstag, 17. April 2014

"Interview mit Herzklopfen" von Martina Sahler ist ....

... der zweite Teil der Merle-Reihe und nachdem ich Teil 1 für Jugendliche ab 12 Jahren als ein absolut angenehmes Buch empfunden habe, war nun auch Teil 2 für mich absolutes Pflichtprogramm und das, obwohl ich doch eigentlich nicht mehr zur Zielgruppe dieser Reihe gehöre. Wie auch schon im ersten Teil geht es auch um zweiten Teil wieder um Schülerzeitungen, genauer gesagt geht es um die Konkurrenzblätter "Insight" und "No Limits" und um die Beziehung, sondern man es denn als solche bezeichnen darf, zwischen Leon und Merle.
In diesem zweiten Band legt sich Merle nun auf die Lauer und beschattet die Rektorin der Gesamtschule Helma Hotter und Gymnasial-Rektor Dr. Biesenkamp. Haben die beiden etwa eine Affäre miteinander? Die Schulen der beiden befinden sich ja immer noch in einem verbitterten Streit, der schon häufig eskaliert ist. Merle und ihre "Insight"- Teammitglieder können dies nicht recht glauben. Und dann ist da ja auch noch Celine und die jungen Referendare, die ihr sehr am Herzen liegen. Hier sind Streit, Zickereien und witzige Diskussionen vorprogrammiert.
Martina Sahler gelingt es auf humorvolle wie skurrile Weise doch den richtigen Ton zu treffen. Gelungen imitiert sie Gespräche, die so tatsächlich zwischen Jugendlichen stattfinden könnten. Insgesamt fühlt man sich durch dieses Buch sehr gut unterhalten und ist am Ende sogar schon gespannt, wie es in Teil 3 weitergehen wird, denn das es weitergeht, ist klar. Wer soll denn sonst auf Headlines mit Herz kommen oder Interviews mit Herzklopfen führen?

"Die Verschworenen" von Ursula Poznanski...

... ist der zweiten Teil der Trilogie rund um Ria und ihre Freunde. Der erste Teil ("Die Verratenen") hat mich damals im Oktober 2012 angesprochen, weil ich die Idee dieser Reihe erfrischend anders empfunden habe, das hat sich auch im zweiten Teil nicht geändert, obwohl ich zugeben muss, dass ich den ersten Teil ein wenig stärker empfand als den zweiten.
Ich bin mir nicht ganz sicher, woran das liegt, kann jedoch sagen, dass ich im Vergleich zum ersten Teil eine Schlussfolgerung ziehe, die ich so im ersten Teil nicht für möglich gehalten hätte. Doch bevor ich dazu komme, möchte ich Euch erst einmal die Handlung vorstellen:

In der Stadt unter der Stadt finden Ria und ihre Freunde Zuflucht, doch bald zeigt sich, dass auch hier ein Überleben nicht garantiert ist. Während Aureljo seine Rückkehr in die Sphären vorbereitet, sucht Ria nach Jordans Chronik und findet Fragmente, die sie nicht zur Gänze deuten kann. Als buchstäblicher Lichtblick erweist sich in dieser Zeit ihre Freundschaft zu Sandor, mit dem sie immer wieder kurze Ausflüge an die Oberfläche unternimmt. Doch dann wird Sandor Clanfürst und mit einem Schlag ist alles anders. Ria sieht sich gezwungen, eine Entscheidung zu treffen, die sie ihr Leben kosten könnte." (Goyalibre)

Tatsächlich ist der Inhalt genauso spannend, wie nach der Kurzbeschreibung zu vermuten ist und ebenso fesselnd wie der erste Teil. Dennoch muss man eine Veränderung berücksichtigen, denn in diesem zweiten Teil kennt man sich ja in der Welt, die Ursula Poznanski geschaffen hat, aus. Genau hier entsteht meiner Meinung nach der Unterschied zum ersten Teil. Wohingegen man sich in Teil eins noch mit der Orientierung in der neuen Welt beschäftigte, hat man die Orientierung in Teil zwei bereits abgeschlossen. Man hat die grobe Rahmenhandlung und den Aufbau der Welten verstanden. Nun kann man einen anderen Schwerpunkt setzen und sich überlegen, welche Parallelen es zu unserer Welt gibt.
Genau an dieser Stelle hat das Buch beziehungsweise die Geschichte eine Schwäche, denn die Verbindung, die ich ziehe, wird nicht voll ausgeschöpft. Die von Ursula Poznanski geschaffene Welt zeichnet sich durch eine Zwei- beziehungsweise sogar Drei-Klassen-Gesellschaft aus. Eine Tatsache, die uns in der globalisierten Welt nicht allzu fremd ist. Somit hätte die Spannbreite zwischen der ersten Klasse und der dritten Klasse der Gesellschaft beziehungsweise der Innen- und der Aussenwelt noch ein wenig stärker charakterisiert werden können. Stattdessen rücken Kämpfe in den Mittelpunkt des Geschehens.
Es geht natürlich auch um die Flucht, allerdings wird hierbei die emotionale Ebene nicht besonders stark charakterisiert.Viel mehr Emotionen gibt es im Bezug auf Freundschaft. Hier sind die Details viel stärker herausgearbeitet. In diesem Buch taucht eine Stärke wie eine Schwäche gleichermaßen auf. Denn einerseits erscheinen die Charaktere sehr kühl und berechnend, dadurch jedoch in manch einer Handlung schon durchaus berechenbar. Gleichzeitig hat man die Bewohner der Aussenwelt, die emotionsgeladen und dadurch menschlich wirken. Beide Charakterengruppen sind dabei nicht platt, sondern vielschichtig. Sie wirken dreidimensional und absolut durchdacht.
Ursula Poznanski spielt mit Widersprüchen und Antagonisten. Jeder Protagonist findet irgendwo auch seinen Antagonisten in der Handlung. Fraglich ist jedoch ob sie sich zum jetzigen Zeitpunkt bereits begegnet sind.

 Ich selber habe das Hörbuch zu "Die Verschworenen" gehört und bin absolut begeistert, obwohl sich, wie ich schon gesagt habe, dieses Buch etwas schwächer verhält als sein Vorgänger.
Dieses ist jedoch nicht das Verschulden von Julia Nachtmann. Die Sprecherin, die schon den ersten Teil gesprochen hat, hat auch bei diesem Teil wieder gute Arbeit geleistet und zieht den Leser in den Bann der Geschichte.

Mittwoch, 16. April 2014

Pünktlich zu Ostern habe ich "Karwoche" ...

...von Andreas Föhr gelesen. Ich muss zugeben, bisher habe ich nur die Hörbücher rund um Wallner und Kreuthner gehört. Nun jedoch hatte ich mit "Karwoche" erstmals die Gelegenheit ein Buch dieser Reihe zu lesen. Die Inhalte der vorigen Bücher waren mir ja aus den Hörbüchern bekannt, so dass ich keine Probleme hatte, mich in "Karwoche" zurecht zu finden. Mit knapp 400 Seiten ist dieses Buch weder ein Fliegengewicht noch ein Schwergewicht, aber ich rechnete durchaus damit, dass ich so 2-3 Tage für dieses Buch brauchen würde. Tatsächlich habe ich es in einem Rutsch gelesen, denn es war wirklich ein spannender Krimi. Es ging um den Tod einer jungen Frau. Dieser bleibt zunächst unaufgeklärt. Wenige Monate später taucht jedoch in einem LKW eine weitere Frauenleiche auf und Wallner und Kreuthner habe alle Hände voll zu tun, denn zunächst scheint es so etwas wie ein Motiv nicht zu geben. Die Tote jedoch war im gesamten Dorf bekannt. Die ehemals schöne Schauspielerin hatte vor 12 Jahren einen Autounfall, bei dem die Hälfte ihres Gesichtes verbrannte. Die Karriere war dann natürlich vorbei. Verursacht wurde der Unfall durch die an Weihnachten ermordete Tochter einer ehemaligen Schauspielkollegin. Hängen die beiden Morde etwa zusammen? Wallner, Kreuthner und ihr Team nehmen die Ermittlungen auf und stoßen dabei auf ein dunkles Familiengeheimnis.
Inhaltlich möchte ich Euch gar nicht viel mehr über dieses Buch erzählen, da ich Euch ansonsten die Spannung nehme. Ich kann Euch nur soviel sagen: Dieses Buch ist das ideale Osterbuch, denn die Morde werden innerhalb kürzester Zeit rund um Ostern aufgeklärt. Ich persönlich finde auch den sachlichen Stil in dem Andreas Föhr die Geschichte ohne viel Blutvergießen und ohne große Brutalität erzählt,passend. Der Stil wurde optimal auf die Geschichte abgestimmt. Auch die Perspektive ist stimmig und damit förderlich für den Spannungsverlauf.
Insgesamt überzeugt mich das Buch auch durch seine Dialoge. Zukünftig werde ich wohl neben den Hörbüchern auch öfter mal zu den Büchern von Andreas Föhr greifen.

Dienstag, 15. April 2014

"Was will ich und wenn ja wieviele" ...

... von Felicitas Pommerening ist nicht das, was man sich unter einem klassischen Belleristik-Buch vorstellt. Obwohl es rosa ist, ist es kein Chic-lit, obwohl es bei der Entscheidungsfindung hilft ist es kein Ratgeber. Für ihren Entscheidungsroman entwirft Felicitas Pommerening drei Lebensentwürfe für drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
"Mama sein wollte Lotta schon, seit sie fünf ist - und jetzt, endlich, steht der filmreifen Mutterkarriere nichts mehr im Wege. Doch da kommt aus heiterem Himmel eine Riesen-Jobchance, die sie total verwirrt: Was wird denn jetzt aus ihrer Familienplanung? Ihre beste Freundin Andrea dagegen liebt nichts so sehr wie ihre Arbeit. Na ja, direkt danach kommt auch schon Bastian, ihr Freund. Obwohl…sind sie eigentlich schon richtig zusammen? Sie ist sich noch unsicher, dabei hat er schon vom Heiraten gesprochen! Das Konzept der biologischen Uhr war ihr bisher vollkommen fremd. Mit Anfang dreißig muss man sich endlich entscheiden… Oder vielleicht doch nicht?" (Amazon)
Komisch in der Kurzbeschreibung von Amazon fehlt jemand: Doreen. Doreen ist Single, kinderlos und ein Workaholic. Eigentlich bildet sie einen kompletten Kontrast zu den beiden anderen und doch passt sie perfekt in die Handlung hinein.

Nach dieser Kurzbeschreibung ist man der Ansicht, man erhält einen unterhaltsamen fiktionalen Roman, der sich an der Lebenswirklichkeit junger Frauen um die 30 orientiert, denn tatsächlich befinden sich viele berufstätige Frauen in der Zwickmühle, Kinder ja oder nein, Karriere oder lieber halbtags. Tatsächlich ist der Roman unterhaltsam und humorvoll, tatsächlich schafft er aber auch einen nachdenklichen Teil, denn die Frage, ob man sich wirklich entscheiden muss, bleibt ja bestehen.
Die Eingangsfrage "Was will ich und wenn ja wieviele" wird in diesem Buch für jede Frau individuell beantwortet und genauso muss jede Leserin, denn das Buch richtet sich vorwiegend an die weibliche Leserschaft diese Frage für sich individuell beantworten. Felicitas Pommerening zeigt mit diesem Buch auf, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist.
Gleichzeitig wirft sich dann natürlich die Frage auf, warum  sollte ich dieses Buch lesen?  Nun, vor dieser Frage stand ich auch recht lange. Warum sollte ich ein Buch lesen, das mir vorschlägt, wie ich mein Leben führen soll? Eigentlich ist genau das der Grund, denn dieses Buch hilft alle Optionen einer konkreten Betrachtung zu unterziehen und ist damit empfehlenswert.

Montag, 14. April 2014

Die 5. Folge der 1. Staffel um Rose und Alan…

… gefiel mir wieder etwas besser, denn hier ging es wieder um die Handlung. Gleichzeitig kann ich sagen, dass beim besten willen nicht an die ersten Folgen herankommt. Die fünfte Folge ist gleichzeitig die letzte Folge dieser ersten Staffel. Am Ende kann ich jedoch nicht mit Gewissheit sagen, ob es eine weitere Staffel gibt oder geben muss oder eben nicht.

Sicher, hier klärt sich ein Großteil Fragen auf, die im Verlauf dieser Reihe, oder besser gesagt dieser Serie, aufgeworfen wurden. Aber es werden eben nicht alle Fragen beantwortet. Die Serie hat ein offenes Ende, von der man annehmen kann, dass es weitergeht. Mir persönlich bleibt es jedoch unklar, wie sich dieses Buch weiter entwickeln soll, obwohl es durchaus Möglichkeiten gäbe.

In diesem letzten Teil ging es auch nicht mehr um den Song „Where the Wild Roses grow“, sondern vielmehr darum, einen anderen Song zum Leben zu erwecken. Nämlich Bonnie Tylers „I need a hero“. Und tatsächlich ging es eigentlich darum, einen Helden zu erwecken oder genauer gesagt eine Heldin. Rose erhält nämlich nun eine gänzlich andere Aufgabe als in jedem Band zuvor, war sie bisher schützenswert, erlebt sie nun einen Wandel und lernt sich selbst zu schützen.

Diese Veränderungen machen gleichzeitig neugierig, wie nachdenklich. Man hat das Gefühl, dieser letzte Teil spielt in einer deutlich kürzeren Zeit als die Folgen zuvor, und doch erlebt Rose gemeinsam mit Enora, Glynis und Alan eine Menge mehr als in den vorigen Folgen.

In dieser Folge wird nun auch endlich das Amulett zu Ende gestellt, welches ihr hier gewinnen könnt.

Mittwoch, 9. April 2014

"Der Fall #Peggy" wird neu ...

...aufgerollt. Mit dem morgen beginnenden Wiederaufnahmeverfahren im Fall Peggy heißt es "Alles auf Anfang, alles von vorn". Wieder einmal. Doch dieses Mal soll alles ganz anders werden. Durch das Buch von Ina Jung und Christoph Lemmer sah man den Fall plötzlich durch eine andere Brille. Die beiden Journalisten ließen Medien wie Justiz und auch nicht zuletzt die Politik alt aussehen. Denn knappe zehn Jahre nachdem der Fall Peggy abgeschlossen wurde, wird er nun wiederaufgenommen.
Jung und Lemmer zeigen nämlich in ihrem Sachbuch "Der Fall Peggy" eine völlig neue Spurenlage auf. Eine Spurenlage, die gar nicht so neu ist wie man meinen könnte. Denn bereits zum ersten Verfahren hatten sich Zeugen gemeldet, Zeugen, die die angeblich Tote am Abend ihres angeblichen Todestages noch gesehen haben wollen. Auch die Tathergangshypothese weist Schwächen auf, zumal Ulvi in seinem angeblichen Geständnis diese fast wortwörtlich zitierte. Insgesamt zeigt das Buch auf, dass nicht unbedingt jede Verhörtaktik zu einem korrekten Täter führt.
In "Der Fall Peggy" sind die beiden Journalisten nicht nur Informationssammler, sondern eigenständige Ermittler, sie leisten die Arbeit, die eigentlich schon vor zehn Jahren hätte geleistet werden müssen. Natürlich ist es ein Leichtes, jetzt festzustellen, dass die Journalisten ermitteln und damit einer Aufgabe nachgehen, die so nur bedingt zu ihrem Aufgabengebiet gehört. Tatsächlich ist das Bild, welches damals durch die ermittelnden Behörden geschaffen wurde bei genauerer Betrachtung mehr als lückenhaft. Genau diese Lücken haben die beiden Autoren nun zu füllen versucht. Sie sind hierbei nicht ausschließlich chronologisch sondern auch thematisch vorgegangen, haben Dinge hinterfragt, die als Fakt festzustehen schienen, doch so faktisch, wie das alles schien, war es bei konkreter Betrachtung dann doch nicht. Der Grund warum nun die Wiederaufnahme folgt, umfasst in der Begründung des Strafverteidigers über 1000 Seiten. Man darf gespannt sein wie sich der Fall nun nach über zehn Jahren darstellen wird.
Das Buch, welches sich mit dem Fall beschäftigt, umfasst natürlich keine 1000 Seiten, zeigt allerdings ohne das Vertrauen Ihrer Informanten zu verletzen und unter Berücksichtigung des Informantenschutzes, der auch bei Journalisten gilt, die Schwachstellen dieses Falles auf.
Dieses Buch ist auf eine Weise beeindruckend, die nichts mit Justizvoyarismus zu tun hat. Es geht nicht darum an einem Zaun zu stehen und zu gaffen, sondern darum, die Schwächen einer rechtsstaatlichen Justiz mit einer Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und Judikative aufzuzeigen.
Mich als Journalistin habe natürlich die umfassenden Recherchevorgänge dieses Buches zutiefst beeindruckt, das kann ich an dieser Stelle nicht abstreiten, fast noch mehr beeindruckt hat mich jedoch die Tatsache, mit welcher Zwischenmenschlichkeit und Kommunikationsfähigkeit die beiden Autoren das Vertrauen in den Journalismus und ins sie gestärkt haben. Dieses ist keine Fähigkeit, die man dem Journalismus zuordnen darf, da sie weit über die üblichen journalistischen Fähigkeiten hinausgeht. Diese Fähigkeit ist zutiefst menschlich.

Samstag, 5. April 2014

Interview mit Susanne Kliem auf der LBM 2014

M.L.: Hallo Frau Kliem. Ich habe mich mit Ihrem Buch „Die Beschützerin“ beschäftigt und es auch sehr gerne gelesen. Ich freue mich, dass Sie sich heute die Zeit für dieses Interview nehmen und hätte dann auch gleich meine erste Frage, und zwar ist mir aufgefallen, dass sowohl der Prolog als auch der Epilog in einer anderen Perspektive geschrieben wurden. Ich gehe davon aus, dass es die Perspektive der Täterin ist.

S.K.: Naja, das ist ja schon eine ganz ungewöhnliche Perspektive, diese Du-Perspektive. Es ist ja so, dass die Täterin mit dem Du angesprochen wird, also ist es die Stimme der Erzählerin. Man weiß es nicht so genau, ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht (lacht). Ich habe das so ganz aus dem Bauch heraus gemacht. Manchmal passieren einem beim Schreiben so Sachen, da passiert mir das, dass ich irgendeine Form wähle und in dem Moment nicht genau weiß, warum, es mir dann aber so gut gefällt, dass ich es dann einfach so lasse.

M.L.: Mir hat das auch sehr gut gefallen, da das Buch ja doch in einer sehr ungewöhnlichen Perspektive ist und man damit ja auch den Leser direkt anspricht und hatte mich gefragt, ob es nicht so ist, dass der Leser in die Perspektive der Täterin schlüpft?

S.K.: Das ist ja sehr interessant. Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber wo Sie das jetzt so sagen; natürlich spreche ich den Leser an und gleichzeitig die Täterin. Das ist interessant, ja.

M.L.: Nun ist es ja so, dass man doch sehr viel von den eigentlichen Emotionen der Beteiligten mitbekommt. Ich frage mich natürlich, wie man auf eine solche Geschichte kommt.

S.K.: Ich bin auf die Geschichte gekommen, weil die Fragen, die Janne in dem Buch beschäftigten auch die Fragen sind, die mich persönlich auch sehr beschäftigen. Das sage ich ganz klar, also diese „Wie schaffe ich es im richtigen Moment nein zu sagen?“, „Wie schaffe ich das mich abzugrenzen, wenn Leute mich zu sehr brauchen, zu sehr beanspruchen, mich aber in Wirklichkeit ausnutzen?“ – solche Geschichten. Das ist etwas, was mich sehr stark umtreibt und ich habe die Janne rausgeschickt, damit sie das herausfindet in der Geschichte. Aber das hat sie natürlich nicht herausgefunden. Also so lange die Autorin es nicht weiß, kann die Figur es auch nicht wirklich wissen, aber das sind sehr spannende Fragen, die, glaube ich, auch viele Frauen ansprechen.

M.L.: In dem Buch geht es hauptsächlich um Mobbing. Was macht für Sie das Buch noch aus? Ich weiß es natürlich, ich habe es ja gelesen, aber ich finde, es ist ja auch für den Leser wichtig.

S.K.: Also über den Aspekt hinaus, sozusagen mittransportiert? Na ja, also was eventuell ganz interessant sein könnte, dass man mal in eine andere Welt hineinschnuppern kann, so in die Fernsehwelt oder ins Eventmanagement, was für einige ganz interessant sein könnte, was viele aus der eigenen Erfahrung nicht kennen – auch wie so ein großes Projekt oder Event, wie der Smiling-Kids-Day. Das ist ja eine große Spendengala, wie so etwas funktioniert, wenn da plötzliche starke Einsparungen gemacht werden müssen und es dann zu einer so ganz anderen Form kommt. Diese Welt könnte so ganz interessant sein, über das Emotionale hinaus.

M.L.: Da ich selbst in dem Buch gelesen habe, dass Sie bereits Erfahrungen bei ARD und ZDF haben, gehe ich davon aus, dass diese Erfahrungen auch in das Buch reinspielen.

S.K.: Also ich habe ein halbes Jahr bei Sat 1 gearbeitet, also sogar in der gleichen Abteilung – im Eventmanagement-, das hat mir viel geholfen beim Schreiben, weil ich einfach weiß, wie sieht es da aus? Was sind das für Typen, die da arbeiten? Wie sieht diese Welt aus – dass diese Büros so gläsern sind, ich meine, Glaswände haben wie damals bei Sat 1, das habe ich so übernommen und ansonsten habe ich eine Unternehmensberaterin gefunden, die mich beraten hat, die mir ganz viele Informationen gegeben hat, weil ich einfach den Beruf der Unternehmensberaterin gar nicht so selbst kannte.

M.L.: Das heißt, Sie haben in Ihrem eigenen Wissensbereich recherchiert. Ist es leichter, ein Buch zu schreiben, in dessen Welt sie sich auskennen? Hat Ihnen das die Recherche erleichtert?

S.K.: In dem Fall wirklich erleichtert. Ich persönlich finde es leichter, über die Branche zu schreiben, die man von innen kennt. In dem Buch davor habe ich über Weihnachtsbaumbranche geschrieben, das war „Die kalte Zeit“. Und da war es nämlich so, war ich nämlich völlig fremd. Ich konnte keine Fichte von einer Tanne unterscheiden. Bei dem Buch war es schon stärker so, einfach meine Welt, die Medienwelt, in der ich mich auch beruflich viele viele Jahre bewegt habe und das ist schon einfacher, also“.

M.L.: Ich glaube das merkt man dem Buch auch an, dass Sie sich damit auskennen, dass Sie sich damit beschäftigt haben und eigene Erfahrungen in der Branche gemacht haben, das ein sehr persönliches Thema ist.

S.K.: Ja, das ist es, da steckt sehr viel Herzblut drin. Auf jeden Fall- ich habe also auch eigentlich über 3 Jahre daran gearbeitet, also sehr lange eigentlich. Ganz früher hatten die beiden Frauen auch jede ne Erzählperspektive gehabt. Also da hab ich es aus der Vanessa Otts Perspektive erzählt.

M.L.: Das hätte ich auch gerne gelesen.

S.K.: Ja, das hat aber überhaupt nicht funktioniert, weil da war irgendwie nach 30 Seiten komplett klar, wie die beiden ticken. Und das war langweilig, ja.

M.L.: Wobei ich mir auch hätte vorstellen können, das gleiche Buch auch aus der Perspektive Vanessa Otts erzählt zu bekommen.

S.K.: Ja,  das könnte man machen. Inzwischen hätte ich auch sogar mehr das Handwerkszeug, dass ich sowas machen könnte. Damals war ich zu unerfahren. Ich bin dann irgendwann auf diese Ich-Perspektive gekommen und das war auch für mich vom Schreiben her eine sehr wichtige Erfahrung, weil man dann tiefer in die Figur durch die Ich-Perspektive reingeht und das hat mir auch für das 4. Buch, das ich jetzt schreibe, schon wieder viel genützt. Obwohl ich da gar nicht die Ich-Perspektive nutze, aber so tief in die Figuren einzusteigen, dieser Mut, ihnen auch den Raum zu geben, das habe ich da gelernt.

M.L.: Wie gehen Sie mit der Planung der Figuren um? Ich weiß von einigen Autoren, die schreiben von vornherein einen Plot und wissen ganz genau, in die und die Richtung geht meine Geschichte. Ist das auch Ihr Schreibstil?

S.K.: Ja, ich versuche das immer, aber bei mir klappt das nicht so richtig. Bei mir ist das so eine Mischform. Ich versuche den Plot grob festzulegen und dann muss ich ja auch ein Exposé für den Verlag schreiben, die wollen ja vorher wissen, worum das geht, das heißt so 8-9 Din A 4 Seiten schreibe ich dann als  Plot. Aber dann weiß ich noch nicht, was in jeder einzelnen Szene passiert. Wenn ich dann die Szenen schreibe, merke ich manchmal, dass ich mir noch gar keine Gedanken gemacht habe über den Spannungsaufbau der Szene, das heißt den Konflikt dieser Szene, dann fange ich aber dann am Tisch an, darüber nachzudenken, also entsteht ganz viel aus dem Moment heraus, aber die grobe Geschichte, das weiß ich schon.

M.L.: Ich habe festgestellt, dass Ihre Figuren sehr dreidimensional und vielschichtig sind. Haben Sie ein lebendiges Vorbild für die Figuren?

S.K.: Nicht wirklich, nein. Es gibt immer Menschen, die in die Figuren mit einfließen, aber das ich 1 zu 1 sagen würde für die Figuren habe ich das oder das reale Vorbild, das eigentlich nicht. Also bei „Theaterblut“, meinem Erstling, da sind so ein paar Figuren drin, die haben reale Vorbilder, aber das würde ich nie verraten, das sind ehemalige Kollegen von mir. Heute ist das nicht mehr so.

M.L.: Wie siehst es mit weiteren Projekten aus? Was dürfen wir da erwarten?

S.K.: Also, auf jeden Fall wieder einen Thriller, an dem ich gerade arbeite. Der wird nächstes Jahr im Herbst erscheinen und da geht es um Leute, die aus der Großstadt, also Berlin, aufs Land ziehen. Die eine Frau erbt einen Hof und die machen so eine Edel-Land-WG, die gründen sie zusammen mit zwei Familien und, ja, erhoffen sich einfach so einen Neuanfang, eine Idylle auf dem Lande. Aber das funktioniert nicht, das wird ein ziemliches Desaster und es geht auch wieder um solche Themen wie Manipulation, also Machtmissbrauch und ganz starke Eifersucht in dem Fall.

M.L.: Das hört sich auch sehr interessant an.

S.K.: Ich hoffe, ich kriege das hin.

M.L.: Ich glaube auch, dass sich Ihre Leser darüber sehr freuen würden. Ich habe mich auch kürzlich mit dem Thema „Mediation“ beschäftigt. Das spielt in ihr Thema auch ein wenig mit hinein. Ich glaube, dass Ihr neues Buch Ihre Leser auch sehr interessiert.

S.K.: Das wäre ja schön. Das würde mich sehr freuen. Ich muss es ja jetzt erst einmal zu Ende schreiben, bis Oktober muss es fertig sein.

M.L.: Bis Oktober haben Sie ja noch Zeit.

S.K.: Na ja, das geht schnell.

M.L.: Bis dahin muss ich auch meine Bachelor Arbeit fertig haben.

S.K.: Wie viel hast Du schon?

M.L.: Na ja, ich habe ein Thema, das recht komplex ist. In soweit weiß ich durchaus, was es heißt, im Oktober fertig sein zu müssen. Im Moment hätte ich nicht die Geduld, ein Buch zu schreiben, obwohl es sehr interessant ist.

S.K.: Na ja, man darf nie so das Gesamte sehen. Das geht Ihnen bei Ihrer Bachelor Arbeit bestimmt genauso. Man muss immer nur den nächsten Schritt sehen. Wenn man die gesamte Reise immer so vor Augen hat, dann verzweifelt man ja. Das ist viel, so viel. Man darf sich immer nur die nächste Etappe vornehmen, dann ist es überschaubar.

M.L.: In diesem Sinne bedanke ich mich für das Interview.

S.K.: Es war sehr schön. Ich danke.

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